Pressestimmen 2006
Das Jazzfestival als Volksfest - Christoph Merki, Tages-Anzeiger
Jazz über Frauenfeld - Nick Liebmann, Neue Zürcher Zeitung
Ein Flügel und vier Pianisten - Reto Liniger, Thurgauer Zeitung
Frauenfeld im siebten Jazz-Himmel - Emanuel Helg, Thurgauer Zeitung
Die Grenzen der Vollblutzucht - Tom Gsteiger, Thurgauer Zeitung
Eine Big Band als Geburtstagsgeschenk - Reto Liniger, Thurgauer Zeitung
Generations 2006: 5. Internationales Jazztreffen im schweizerischen Frauenfeld - Dr. Jürgen Schwab für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
generations 06 – erfolgreiche Frauenfelder Jazztage - Beat Blaser, Jazz'N'More
Generations 06. Internationales Jazztreffen Frauenfeld 30.9. - 7.10.2006 - Marcus Maida, Jazzthetik
Gutes Echo auf «Generations» - generations Team, Thurgauer Zeitung
Das Jazzfestival als Volksfest
Der Saxofonist Roman Schwaller profitiert in Frauenfeld mit dem Jazzfestival «Generations» von den Bedingungen im ländlichen Kanton Thurgau.
Von Christoph Merki
«Er ist für uns ein absoluter Glücksfall», sagt Steff Rohrbach von der Thurgauer Kulturstiftung. Wir sitzen in der Eisenbeiz, einem der fünf Schauplätze des «Generations»-Festivals, das heute Samstag beginnt. Und auch der Glücksfall ist anwesend: Roman Schwaller. Eben noch hat Schwaller im Büro der Kulturstiftung vorbeigeschaut, das im selben Gebäude wie die Eisenbeiz zu finden ist, hat neugierig die ersten Exemplare des Programmheftes abgeholt. Alles läuft bei ihm zusammen.
Roman Schwaller: geboren 1957, aufgewachsen in Frauenfeld, Lehrerseminar Kreuzlingen, Übersiedlung 1977 nach München, über zehn Jahre Mitglied des Vienna Art Orchestra, mit dem er durch die ganze Welt tourte. Plattenaufnahmen mit Musikern wie Jimmy Cobb, der aufMiles Davis' epochalem «Kind of Blue»-Album trommelte.
Stolz auf den Sohn
Im deutschen Fachmagazin «Jazzethik» lesen wir über Schwallers jüngste Platte, «The Thurgovian Suite», den lapidaren Satz: «Der Kanton Thurgau kann stolz auf seinen Sohn sein.» Schwallers Album ist eine Art musikalische Autobiografie, und «Recurrence 1996» heisst eines der Stücke darauf: 1996 wars, als Schwaller nach fast zwanzigjähriger Abwesenheit heimkehrte nach Frauenfeld. Dabei auf eine Stadt traf, die ihn in Erstaunen versetzte: Vordem, als er Frauenfeld verlassen hatte, wäre ein Jazzfestival wie «Generations» undenkbar gewesen, sagt Schwaller. Bei den Leuten, die seinerzeit in Amt und Würden waren, galt Jazz als eine unmögliche Musik.
Just aber zum Zeitpunkt seiner Rückkehr sei eine Debatte in Gang gekommen darüber, wie Frauenfeld kulturell zu animieren sei. «Ich fand mich plötzlich in einem Thinktank wieder mit Regierungsräten.» Im Gespräch mit Schwaller und Rohrbach fällt wiederholt der Name Robert Fürer. Fürer, der heute unter anderem mit dem ehemaligen Parteipräsidenten der CVP Schweiz, Ständerat
Philipp Stähelin (auch im Patronat des Festivals), eine Anwaltskanzlei betreibt, erster Präsident auch der 1991 gegründeten Kulturstiftung war, ebnete mit seinen Kontakten dem Festival den Weg. Schwaller kennt ihn seit Schulzeiten.
Heute verfügt Schwallers Jazzanlass über ein Budget von 350 000 Franken. In München wäre ein ähnliches Festival mit entsprechenden Geldgebern «völlig unrealistisch», erklärt der Saxofonist. Grade mal über einen einzigen Jazzklub verfüge die Millionen- und so genannte Kulturstadt München. Nein, als Holzboden will Schwaller Frauenfeld vor diesem Hintergrund nicht sehen.
In Frauenfeld hat sich das Festival inzwischen zu einer Art Volksfest entwickelt, so sagen es ansässige Musiker wie der Thurgauer Saxofonist Räto Harder. Die Klubs sind jeweils pumpenvoll. Wenngleich DRS 2, der Bayerische Rundfunk München und ORF Wien den Eröffnungsabend direkt übertragen: Rein vom Programm her macht es wenig Sinn, aus Zürich mit seinem Moods und seinen
eigenen Festivals nach Frauenfeld zu fahren. Zugkräftige Namen oder besonders innovative Projekte für ein kritisches Publikum präsentieren die Konzerte selten.
Schwaller hat andere Absichten. «Internationales Jazztreffen» lautet der Festivaluntertitel - Begegnungen zwischen den Generationen, zwischen Schweizer und ausländischen Musikern stehen im Zentrum. Der geheime Mittelpunkt des einwöchigen Anlasses ist eine Masterclass, bei der dieses Jahr sieben international bekannte Musiker - vom US-Pianisten Cedar Walton bis hin zum Drummer Lewis Nash - mit 50 Teilnehmern arbeiten und spielen.
Selbstbewusst unzeitgemäss
Zentral ist für Roman Schwaller, dass abends in den diversen Klubs, nach den ordentlichen Konzerten, noch Sessions in Gang kommen. Dies war es, was ihn am amerikanischen Tenorsaxofon-As Joe Lovano bei der Festival-Erstausgabe 1998 so begeisterte: Lovano unterrichtete während des ganzen Tages, um danach noch bis morgens um fünf in den Klubs weiterzujammen.
«Ich wollte meine Erfahrungen aus eigenen Festivalauftritten einbringen», erklärt Schwaller sein Konzept. «Was mich immer ärgerte, war, dass wir Musiker nach den Konzerten nicht noch jammen konnten.» Das erklärt die stilistische Ausrichtung von «Generations», die man als selbstbewusst unzeitgemäss bezeichnen könnte: «Modern Straight-Ahead-Jazz» ist zwar erklärtermassen auch das persönliche Anliegen Schwallers. Vor allem stiftet diese Musik aber Verbindungen: «Diese Art von Jazz ist mehr oder weniger die einzige Musik», sagt Schwaller, «bei der du Leute einfach zusammen auf die Bühne stellen und sagen kannst: Gib ihm!»
Tages-Anzeiger
Jazz über Frauenfeld
Unplugged Swing - das fünfte «Generations»-Festival
Die Piano-Bar wird zum Jazzklub, das «Dreiegg» zum Mekka für Jam-Sessions, die Kantonsschule zur Musikakademie. Über Nacht ist aus der Thurgauer Metropole eine Jazzstadt geworden - ein Zustand, der leider nur eine Woche lang anhält.
Die Idee des 1998 gegründeten Jazztreffens «Generations», das bis zum 7. Oktober zum fünften Mal stattfindet, stammt vom international bekannten Tenorsaxophonisten Roman Schwaller. Ihm schwebte damals eine neuartige Kombination von Jazz-Akademie, Konzerten, Klubatmosphäre und Begegnungsstätte für junge Talente vor. Diese Vision hat der Musiker und Lehrer in der Zwischenzeit optimal umgesetzt. Der alle zwei Jahre stattfindende Event ist seit seiner Gründung stets gewachsen; für die fünfte Edition steht ein erstaunlich grosses Budget von sage und schreibe 350 000 Franken zur Verfügung.
Schwaller hat ganz bestimmte Vorstellungen vom Jazz, an die er sich nicht nur während seines Festivals hält. Jazz ist für ihn eine feurige, fette, swingende und bluesbezogene Musik, die ganz ohne Computer und Elektronik auskommt: unplugged Swing, gewissermassen. Das Rohmaterial, das jedem Jazzer als Ausgangspunkt für kunstvolle Improvisationen dienen sollte, umfasst Standards, den Standards nahe Eigenkompositionen, Blues und Swing. Von einer Tournee mit der Count-Basie-Big-Band schwärmt er heute noch.
Da diese Konventionen und diese gemeinsame Sprache auch jungen und jüngsten Talenten zur Verfügung stehen, glaubt Schwaller auch an das reibungslose Zusammenspiel der «Generations», wobei Proben aufgrund der Gemeinsamkeiten auf ein Minimum beschränkt werden können. «Generations» nannte Schwaller auch viele eigene Projekte, in denen sich Musiker unterschiedlicher Generationen zum unbeschwerten und unproblematischen Dialog zusammengefunden haben. Zu diesen Maximen gehört natürlich auch das Weiterreichen der Fackel, des Know-how.
Gerade darauf, das Vermitteln der Jazzsprache, hat Schwaller bei der Konzeption seines Festivals grossen Wert gelegt. In sogenannten Masterclasses (nach dem Vorbild der klassischen Meisterkurse) unterrichten Cracks wie der Pianist Cedar Walton (72 Jahre alt) oder Lewis Nash (einer der führenden Jazzschlagzeuger) junge Talente im Ensemblespiel. Diese wiederum, die im Rotationssystem an den fünf Kurstagen von verschiedenen Dozenten betreut werden, dürfen ihr Können nicht nur der Öffentlichkeit beweisen; die beiden Besten werden zusätzlich mit Förderpreisen (einer professionellen CD-Aufnahme bzw. einer Tournee) belohnt. Das ist nachhaltiges Sponsoring, hinter dem unter anderen die Kulturstiftung des Kantons Thurgau steht.
Einen weniger nachhaltigen Eindruck hinterliess das Eröffnungskonzert, das unter dem Motto «The European Jazz Project» stand. Je zwei Berufsmusiker aus der Schweiz, Deutschland und Österreich trafen sich kurz vor dem Konzert zum gemeinsamen Erarbeiten von relativ anspruchsvollen Eigenkompositionen. Da spürte man die Routine und Professionalität der Protagonisten, die der Sicherheit gegenüber dem für den Jazz so wichtigen Risiko den Vorzug gaben. Es resultierte ein grösstenteils perfekt gespieltes, aber braves Set, ohne Feuer und arm an Swing. Nur gerade der Basler Saxophonist Andy Scherrer und der deutsche Posaunist Hermann Breuer schütteten vorsichtig etwas Öl ins Feuerchen, das ständig ganz zu erlöschen drohte.
Es bleibt zu hoffen, dass die Post in den künftigen Hauptkonzerten etwa so abgehen wird wie beim spannenden, kurzweiligen, zitatenreichen und swingenden ersten Set des Cedar-Walton- Trios in der überfüllten und stimmungsreichen Pianobar.
Nick Liebmann, Neue Zürcher Zeitung, 2. Oktober 2006
Ein Flügel und vier Pianisten
Die Piano-Solo-Serie am Frauenfelder Jazztreffen zeigte, dass die Schweiz heute hervorragende Jazz-Pianisten vorzuweisen hat und dass morgen Talente aller Couleur nachrücken.
RETO LINIGER
Frauenfeld - Fester Pfeiler von «Generations» ist die Piano-Serie «Today and Tomorrow». An vier aufeinander folgenden Tagen setzen sich vier Schweizer Pianistinnen und Pianisten an den Flügel auf der Bühne des Vorstadttheaters im Eisenwerk und präsentieren sich solo in zwei kurzen Sets. Dieselben Musiker sind kurz darauf einen Stock tiefer in der Eisenbeiz nochmals zu hören, um zwei Kollegen erweitert, in der Serie «Swiss Piano Trios».
Das Solo-Klavier ist die Königsdisziplin für Pianisten, eine intime, zerbrechliche Angelegenheit oder - wie es Oliver Friedli ausdrückt, der jüngste Pianist der diesjährigen Serie - eine besonders spannende Herausforderung, weil die Freiheit und die Verletzlichkeit am Instrument sehr eng beieinander liegen.
Der Routinier und der Suchende
George Gruntz (1932) als Ältestem gebührte die Ehre, die Serie zu eröffnen. Der Basler Pianist hat seit den fünfziger Jahren an vielem teilgenommen, das heute zur Jazz-Geschichte gehört - vom Bepop über den Cooljazz bis zur elektronischen Musik - und engagiert sich bis heute in der Nachwuchsförderung. Gruntz musste sich im Vorstadttheater keine Lorbeeren mehr verdienen, und er bewies mit entsprechender Leichtigkeit, dass sein Spielwitz und seine Fingerfertigkeit nach wie vor ungebrochen sind.
Auch Chris Wiesendanger (1965) brauchte nicht vorgestellt zu werden. Der Zürcher, international beachteter Musiker und Komponist, ist ebenfalls eine wichtige Förderfigur im Schweizer Jazz. Den Montagabend begann er mit einer sanften Reise in die Improvisation. Motive bewegten sich weiter und weiter, nichts wurde wiederholt, nichts aufgelöst, Wiesendanger schritt als Suchender, Fragender durch die Tasten. Seine gebeugte, gekrümmte Haltung vermittelte die tiefe Hingabe eines Virtuosen, der fast gequält seinem Ausdrucksdrang folgt. An Flinkheit und rhythmischer Sicherheit ist dieser verblüffende Pianist kaum zu übertreffen.
Die Hartnäckige und der Spieler
Die jüngsten beiden Pianisten hätten gegensätzlicher nicht sein können. Die Baslerin Vera Kappeler (1974) ist eine sperrige, verschlossene Pianistin. In ihren Interpretationen liess sie nichts hinter sich, jede Phrase war der Repetition unterworfen, wurde verfremdet, variiert. Ohne mit Virtuosität zu prahlen oder grandiosen Gesten zu spielen, verfolgte Kappeler hartnäckig und sensibel, was sie begonnen hatte, sei es ein Thema von Coleman oder ein Folk-Song, und hielt sich trotz improvisatorischer Ausflüge an einen Spannungsbogen.
Oliver Friedli (1977), eine unkomplizierte Erscheinung, gewann das Publikum im Handumdrehen für sich. Sein erstes Set spielte er in einem Zug durch, eine ideenreiche, aber etwas unruhige, brüchige Improvisation, die zwischen funkigen rhythmischen Patterns und meditativen Sequenzen hin- und hersprang. Das zweite Set begann Friedli mit einem Tune Billy Strayhorns, und auf der Basis dieses Themas vermochte er plötzlich zu verblüffen. Ein «sprachbegabter» Musiker, der brillant Stile zitieren und etwa ein glasklar phrasiertes Shearing-Piano streichen kann.
Thurgauer Zeitung
Frauenfeld im siebenten Jazz-Himmel
«generations»: Begeistert von der Atmosphäre in den Jazzclubs zeigen sich alle: Veranstalter, Workshop-Teilnehmer, Dozenten - und das Publikum.
EMANUEL HELG
Frauenfeld - «This is heaven» («himmlisch») frohlockte Cedar Walton, der prominenteste unter den internationalen Jazzgrössen, die für «generations 2006» in die Schweiz gereist sind, nach einem ersten Augenschein in der temporären Jazz-Metropole Frauenfeld. Für Robert Fürer, Vorsitzender des «generations»-Komitees, bringt diese Äusserung den bisherigen Verlauf des Jazztreffens genau auf den Punkt.
Acht Tage lang wähnen sich Jazzmusiker und -liebhaber wie im Himmel: auf Grund schier unbeschränkter Möglichkeiten, sich musikalisch auszuleben, zu lernen, sich einzumischen und zuzuhören. Das professionell und rücksichtsvoll auftretende, freundliche Personal in den fünf Jazzclubs und auch die gut organisierten Helferinnen und Helfer tragen viel zur gehobenen Stimmung bei.
Roman Schwaller, der künstlerische Leiter des Festivals und Tenorsaxofonist aus Frauenfeld leitete am Montag eine Jam-Session im Jazzclub Dreiegg. Mit seinem für Kalauer bekannten Humor (aus «Just Friends» wird auch mal «Justus Franz») bat er Gastsolisten auf die Bühne und sagte die Titel an, die er dann als Bandleader wieselflink, zitierfreudig und mit höchst ansteckender Verve auf Touren brachte.
Bis auf den letzten Stehplatz
Die Piano Bar verwandelt sich allabendlich auf Grund gleichzeitig begrenzter Platzverhältnisse und qualitativ kaum zu überbietendem Angebot (mit den Trios von Cedar Walton und Fritz Pauer) zu einem bis auf den letzten Stehplatz besetzten Jazztempel. In geradezu kammermusikalisch diskreter Lautstärke träufelten bis zum Mittwochabend Cedar Walton (piano), Thomas Stabenow (bass) und Lewis Nash (drums) - alle drei mit äusserst beneidenswerten technischen Fähigkeiten ausgestattet - dem Publikum die exquisitesten Klangzaubereien in die Gehörgänge.
Extravagant, voller Tatendrang und vor allem sehr experimentierfreudig präsentierte sich das Trio WWU mit Chris Wiesendanger (piano), Christian Weber (bass) und Dieter Ulrich (drums) in der zum Jazzclub umfunktionierten Eisenbeiz. Fern jeder Routine interpretierte das Trio wenig bekannte Titel vornehmlich von Carla Bley, der ebenso originellen wie universellen amerikanischen Jazz-Ikone.
Teilweise recht anspruchsvoll für die Zuhörer, aber enorm abwechslungsreich und kurzweilig im wahrsten Sinn des Wortes, faszinierten Wiesendanger, Weber und Ulrich mit ihren fliessend sich verändernden, mal impulsiv synkopischen, dann wieder schwermütig beschwörenden Arrangements.
Förderung steht im Zentrum
Roman Schwaller zeigte sich begeistert vom Niveau der Masterclassteilnehmer, insbesondere der Rhythmusgruppen: «Die Qualität des Festivals wird laufend verbessert. Die 50 Studenten haben in diesem Jahr die Möglichkeit, in wechselnden Besetzungen bei allen sieben Workshops der einzelnen Dozenten teilzunehmen.» Mit besonderem Stolz wies Schwaller auf das eigenständige, der Förderung junger Talente verpflichtete Konzept von «generations» hin: «Kein anderes Jazzfestival ist damit vergleichbar.» Überdies habe das Jazztreffen mittlerweile eine internationale Ausstrahlung. Journalisten aus aller Welt und von grossen Tageszeitungen wie der NZZ und der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) haben darüber berichtet.
Ein brillanter Musiker ist nicht immer ein begnadeter Lehrmeister, doch auch von der Seite der Workshopteilnehmer ist viel Positives zu vernehmen; so wird immer wieder darauf hingewiesen, welch hervorragende und wertvolle Arbeit das Dozententeam verrichtet.
Maturarbeit: «generations»
Beni Pfister, Komiteemitglied und zuständig für Werbung und Medien, äusserte sich beeindruckt von den phänomenalen Talenten unter den Masterclass-Teilnehmern, aber auch von den einzigartigen pianistischen Fähigkeiten eines Cedar Walton oder eines Chris Wiesendanger.
Eine junge Besucherin, die Kantonsschülerin und passionierte Klavierspielerin Thea Delmore aus Frauenfeld, schreibt gar ihre Maturarbeit über das internationale Jazztreffen.
Thurgauer Zeitung
Die Grenzen der Vollblutzucht
Die «Masters of Today and Tomorrow», unter ihnen die sechs Newcomer der Förderpreisband und der legendäre Pianist Cedar Walton, bewegten sich am Jazz-Festival «Generations» in bekannten Bahnen.
TOM GSTEIGER
Frauenfeld - Die Zeiten sind passé, in denen der afroamerikanische Romancier und Essayist Ralph Ellison die Jam-Session - die spontane Zusammenkunft von Musikern in einer von geheimbündlerischen Zügen geprägten After-Hours-Atmosphäre - als die «wahre Akademie des Jazz» bezeichnen konnte. Der Jazz ist eine schulische Disziplin geworden, die in ähnlich reglementierter Form wie die Klassik von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dass dabei der nonkonforme Geist dieser Musik auf der Strecke zu bleiben droht, versteht sich von selbst.
Hierzulande hat sich das internationale Jazztreffen «Generations» in Frauenfeld zu einem wichtigen Hort der Jazz-Brutpflege gemausert. Ein Kernstück dieses Anlasses, der unverkennbar den Stempel seines künstlerischen Leiters, des renommierten Tenorsaxofonisten und Straight-Ahead-Jazz-Apologeten Roman Schwaller, trägt, sind die «Masterclass Workshops».
Machohaftes Kräftemessen
Heuer waren es sieben Meister, die ihr Know-how über 50 Schülern zur Verfügung stellten. Kulminationspunkt dieser intensiven Schnellbleiche ist jeweils die Formierung einer aus besonders viel versprechenden Newcomern bestehenden Förderpreisband, die sich nicht nur im Rahmen von «Generations» präsentieren darf, sondern auch noch auf Tournee geschickt wird.
Es war dieser Förderpreisband vorbehalten, am Freitag einen dreistündigen Konzertabend unter dem reichlich grossspurigen Motto «Masters of Today and Tomorrow» zu eröffnen. Der Abend machte die Stärken und Schwächen einer Form von Jazz, die sich an den Methoden des amerikanischen Postbop-Mainstreams orientiert, deutlich. Für die Höhepunkte des Abends waren Schwaller, der mit seinem hochkarätigen Sextett drei Sätze aus seiner «Thurgovian Suite» spielte, sowie die Jazzkoryphäe Cedar Walton besorgt: Kongenial begleitet von Thomas Stabenow am Bass und Lewis Nash am Schlagzeug gestaltete der 72-jährige Pianist Walton, dem der gemässigt moderne Jazz einige seiner prägnantesten Kompositionen verdankt, ein zu kurzes Set, in dem Spielwitz und Eleganz auf leichtfüssige Weise zusammenkamen. Als sich nach und nach die restlichen «Masters» zu diesem Trio gesellten, nahm das Geschehen leider immer mehr die Form eines ziemlich machohaften Kräftemessens an.
Projekt mit Fragezeichen
Die Förderpreisband hinterliess bei ihrer Feuertaufe einen heterogenen Eindruck, was nicht erstaunt, wenn man bedenkt, dass hier kurzfristig junge Musiker zusammengewürfelt wurden, die in ihrer Ausbildung stehen und kaum über Konzerterfahrung verfügen. So war man durchaus beeindruckt vom technischen Können dieser Jazz-Spunde - der blendende Klarinettist Simon Wyrsch und der Altsaxofonist Tobias Meister vermochten sogar den einen oder anderen leicht subversiven Akzent zu setzen. Es fragt sich aber gleichzeitig, ob es nicht mehr Sinn hätte, bereits bestehende spannende Nachwuchsgruppen zu fördern, statt noch zusätzlich ein Projekt zu konstruieren, dem mit grösster Wahrscheinlichkeit sowieso keine lange Lebensdauer beschieden sein wird.
Thurgauer Zeitung
Eine Big Band als Geburtstagsgeschenk
Am grossen Finale des Jazztreffens «Generations» in Frauefeld wurde der deutsche Pianist Joe Haider gefeiert.
RETO LINIGER
Frauenfeld - Nach acht Tagen Jazz ging das «Generations 06» am Samstag mit Pauken und Trompeten zu Ende: mit dem Joe Haider Jazz Orchestra. Die Big Band Night im Casino war ein grosszügiges Geschenk zum 70sten Geburtstag des Pianisten Joe Haider.
Big Bands sind in der klassischen Musik (als Orchester) nicht wegzudenken, im Jazz sind sie selten geworden, mitunter weil sie sich kaum jemand leisten kann. Die Festivalleitung griff für diese Geburtstagsfeier wohl etwas tiefer in die Taschen. Die Atmosphäre war so feierlich, dass sie fast nicht mehr zu Jazz passte. Statt in einem engen, verrauchten Club befand man sich in einem grossen Konzertsaal mit Garderobe und Sicherheitsangestellten. Auf der Bühne standen säuberlich aufgereiht Notenständer und Mikrofone auf mehreren Etagen. Und die Musiker selbst - einzige Frau auf der Bühne war Joe Haiders Gefährtin Brigitte Dietrich - waren in Schale geworfen, trugen Krawatten und tranken ihr Wasser für einmal nicht aus der Flasche, sondern aus Gläsern.
Eine bekannte Kombination
Den Abend eröffneten Joe Haiders Quartett in gewohnter Jazz-Besetzung (Schlagzeug, Klavier, Bass und Saxofon) zusammen mit dem Modern String Quartett (München), einem klassischen Streichquartett (zwei Geigen, Viola und Cello). In dieser Kombination hatte sich Joe Haider einen alten Traum erfüllt und Anfang 2006 das Album «Mysterious» veröffentlicht. Das von der CD her bekannte Resultat dieser Vermählung, ein unerwartet moderner, fordernder Sound, war der musikalische Höhepunkt des Abends. Später wurde Haiders Quartett um drei Bläsersätze (zehn Musiker) und einige Gäste (unter anderem Festivalleiter Schwaller) erweitert. Insgesamt wurde gepflegt gespielt, die Solisten kamen in vorgegebener Reihenfolge ans Mikrofon und folgten eher der Pflicht als der Inspiration. Glänzende Ausnahme war Joe Haider selbst, der mutig und frech solierte und mit seinem Witz glücklicherweise einige Kollegen anzustecken vermochte.
Der Jubilar nutzte jede Gelegenheit bei den Stückansagen, um Anekdoten und Sprüche zum Besten zu geben. Auch wenn manches etwas gar staubig war («hier kommt meine Lebensgefahr, äh ..., Lebensgefährtin»), so sorgten sie insgesamt für eine lockere Stimmung.
Wichtige Figur im Jazz Europas
Als Pianist oder Komponist gehört Joe Haider nicht in die Liga einer Irene Schweizer, eines Django Reinhardt oder Alexander von Schlippenbach. Er gehört nicht zur Gilde der wenigen europäischen Jazzmusikern, die den Jazz nach Einschätzung der internationalen Gemeinde nachhaltig geprägt haben. Trotzdem gebührt Haider ein prominenter Platz in der Geschichte des europäischen Jazz, als einer, der mit unermüdlichem Eifer wirkt, als Musiker, als Förderer, als Lehrer und als Vermittler.
Thurgauer Zeitung
5. Internationales Jazztreffen im schweizerischen Frauenfeld
„3 Tage, 21 Bühnen, über 200 Bands!“ – mit nackten Zahlen trommelte unlängst das Reeperbahn Festival um die Gunst des Publikums. Erstaunlich, dass das funktioniert, muss doch ein Besucher, der eine solche Fülle ausnutzen möchte, neben der Kondition eines Marathonläufers auch die Gabe der multiplen Präsenz besitzen. Von Jazz bis Alternative Pop war das Angebot allerdings so bunt, dass sich jeder entsprechend seiner musikalischen Vorlieben gezielt einen Teil herauspicken konnte. Wenn dann noch der eine oder andere Zufallstreffer heraussprang, umso besser: „buy one, get one free!“. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert seit 30 Jahren North Sea Jazz, dessen Warensortiment viel breiter ist, als der Name es vermuten lässt. „Wer hat’s erfunden?“, kann, nein, muss man an dieser Stelle allerdings fragen: Richtig, ein kleiner Schweizer. Er heißt Claude Nobs und veranstaltet seit 1967 nach eben jenem Muster Montreux Jazz, ein Festival von gigantischen Dimensionen, möglicherweise das größte weltweit. Es dauerte in diesem Jahr 16 Tage, hatte einen Etat von 12 Millionen US-Dollar zur Verfügung und lockte über 200.000 Besucher in die 23.000 Einwohner zählende Stadt am Genfer See.
Von solchen Besucherzahlen ist man bei „Generations 2006“ noch weit entfernt, aber trotzdem könnte auch dieses Festival eines Tages Schule machen. Erfunden hat’s wieder ein Schweizer: Roman Schwaller. Nachdem der Tenorsaxophonist sich im Vienna Art Orchestra, in der NDR Big Band und in vielen eigenen Projekten einen internationalen Ruf erarbeitet hatte, kehrte er 1996 in seine Geburtsstadt Frauenfeld zurück und fand dort ein fruchtbares Klima für Kulturarbeit vor. Die gut 20 Kilometer südlich von Konstanz gelegene Haupstadt des Kantons Thurgau, genauso einwohnerstark bzw. –schwach wie Montreux, wollte die weichen Standortfaktoren stärken und so ließen sich Sponsoren und Unterstützer für ein Jazzfestival begeistern. Als konzertierender Musiker auf unzähligen Festivals weltweit unterwegs, hatte Schwaller längst eigene Vorstellungen und Konzepte in der Tasche, die er nur noch auspacken und mit Leben füllen musste. Dass sie funktionieren, beweist die stetige Aufwärtsentwicklung, die das im Zweijahresrhythmus veranstaltete Festival seit seiner ersten Auflage 1998 genommen hat. Das „Internationale Jazztreffen Frauenfeld“, so der Untertitel, ist in vielerlei Hinsicht ein Gegenentwurf zu Montreux Jazz.
Wo Montreux einem musikalischen Gemischtwarenladen gleicht, konzentriert sich Frauenfeld ganz auf Jazz und innerhalb dieses ohnehin weiten Feldes sogar auf eine spezielle Stilistik, die Schwaller selbst „Modern Straight Ahead Jazz“ nennt. Ein swingender Rhythmus und die improvisatorischen Errungenschaften eines Charlie Parker und eines John Coltrane, bevor er sich dem Free Jazz verschrieb, bilden zentrale Bezugspunkte dieser Stilistik. Ideologisch hörgeschädigte Kritiker verunglimpfen derlei gern als ewig gestrig, obwohl doch gerade hier der Jazz am nächsten bei sich selbst ist. Wenn vom Jazz als universaler Sprache die Rede ist, dann ist genau das gemeint: dass sich Musiker auf dem Fundus des Great American Songbook spontan austauschen könnnen. Und diese spontanen Begegnungen in Form von Jam Sessions bilden ein Kernstück von Schwallers Festivalkonzept. Neben größeren Konzerten laden mehrere zu Jazzclubs umfunktionierte Restaurants und Bars an jedem der acht Abende zum Besuch ein.
Im intimen Ambiente der Pianobar etwa konnte man diesmal den Trios von Cedar Walton oder Fritz Pauer lauschen, im etwas größeren Rahmen des Brauhaus Sternen eine All Star Formation um Ack van Rooyen hören oder bis 3 Uhr nachts die Sessions im Jazzclub Dreiegg verfolgen. Aber auch in der Pianobar oder bei dem unermüdlich groovenden amerikanischen Hammond-Organisten Pat Bianchi im Gleis 4 konnte es jederzeit passieren, dass einer der vielen Musiker in der Stadt sein Instrument auspackte und einstieg. Tatsächlich verzeichnet das kleine Frauenfeld während des Festivals eine höhere Jazzclub-Dichte und mehr Jazzmusiker pro Einwohner als jede europäische Großstadt.
Für die geballte Musikerpräsenz im ländlichen Raum sorgen ein Big-Band-Konzert am letzten Tag, diesmal unter Leitung von Joe Haider, der aus Anlass seines 70. Geburtstages einen ganzen Konzertabend gestalten durfte, sowie ein Masterclass-Workshop. 50 Teilnehmer aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und den USA genossen täglichen Unterricht bei namhaften Dozenten wie dem Pianisten Cedar Walton oder dem Schlagzeuger Lewis Nash. Sie mussten sich dafür mit einem Lebenslauf und Tonaufnahmen bewerben, um ein genügend hohes Niveau zu gewährleisten. Eine Altersbeschränkung gab es dagegen keine, der älteste Teilnehmer war 75, der jüngste 19 Jahre alt. Junge Musikstudenten trafen hier auf erfahrene Jazzamateure bzw. Semiprofis wie den pensionierten Bundesrichter vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, der die Woche in Frauenfeld sichtlich genoss.
Das gleiche Bild bot sich bei den Konzerten, wo vom 18jährigen ungarischen Tenorsaxofontalent Gabor Bolla bis zum 76jährigen holländischen Trompetenaltmeister Ack van Rooyen ebenfalls alle Generationen vertreten waren. Der Name ist Programm bei „Generations“ und der Gedanke der Begegnung wird bis in die Workshops konsequent umgesetzt, die nicht als Instrumental- sondern als Ensembleklassen konzipiert sind. Aus allen Teilnehmern wurde eine Förderpreisband zusammengesetzt, die im Rahmen eines der größeren Konzerte vorgestellt wurde und im nächsten Jahr eine vom Festival organisierte Konzerttournee machen darf. Als bester Teilnehmer des Masterclass-Workshops wurde der aus Hannover stammende Pianist Elmar Brass ausgezeichnet. Ihm winkt als Preis eine CD-Produktion in den Studios des Schweizer Radios DRS, das übrigens etliche Konzerte des Festivals aufgezeichnet hat.
Auch als Zuhörer konnte man einiges lernen in Frauenfeld, weil nämlich die Beschränkung auf eine Stilistik das Differenzierungsvermögen schärft. Vom manchmal mühevollen Abarbeiten am Material bis hin zu virtuosen Muskelspielereien nimmt man viele Schattierungen wahr und genießt um so mehr jene glücklichen Momente, in denen alles Handwerkliche transzendiert wird und sich große Kunst ereignet. Der Konzertauftritt von Cedar Walton mit Bassist Thomas Stabenow und Schlagzeuger Lewis Nash bot solche Momente zuhauf. Dazu trug sicher bei, dass die drei Musiker sich vier Tage oder besser Nächte lang bei ihren Clubgigs in der Pianobar hatten einspielen können.
Auch hier geht Frauenfeld den umgekehrten Weg wie Montreux: Statt viele Musiker und Bands für kurze Auftritte auf große Bühnen zu stellen, arbeitet man hier mit weniger Musikern, die dafür ausreichend Zeit haben, sich einzuspielen und in intimerem Rahmen viele Facetten ihres Könnens zu zeigen. Man merkt auch hier, dass mit Roman Schwaller ein Musiker hinter dem Ganzen steht. Sein Konzept bedingt allerdings auch eine gewisse Exklusivität und deshalb will Generations gar nicht so groß werden wie Montreux Jazz. In der europäischen Festival-Landschaft setzt das Internationale Jazztreffen Frauenfeld als Geheimtip für die Freunde des Modern Straight Ahead Jazz einen eigenen Akzent.
Dr. Jürgen Schwab für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
generations 06 – erfolgreiche Frauenfelder Jazztage
„Derjenige, dem das Genie fehlt, sollte sich enthalten“, gab uns einst der grosse Gustav Mahler mit auf den Weg. Da wird er wohl einen wie den Berichterstatter gemeint haben, den mediokren Musiker, dem zu seinem Glück (und dem der Zurhörenden?) die Musik nur ein schöner Zeitvertreib ist. Auf der anderen Seite stellte Bertold Brecht fest, dass ein Himmel, wo nur Sterne erster Ordnung sichtbar sind, kein wirklicher Himmel sei; was er auf die Literatur bezog, hat wohl auch musikalische Gültigkeit. Und Karl Valentin schliesslich meinte ganz prosaisch: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!“ Also machten wir uns an die Arbeit, und rückten ins Jazz-Trainigslager ein, im Rahmen von „Generations 06“ in Frauenfeld.
Von Beat Blaser
49 lernwillige Studentinnen und Studenten hatten sich angemeldet, 75 Jahre alt der älteste (der unermüdliche Innerschweizer Trompeter Siro Spörli, der auch keine Session ausliess, immer bereit, sich auf ein musikalisches Gipfeltreffen einzulassen), neunzehn der jüngste, (der am Schluss Teil der Förderpreisband war). Erwartungsgemäss bewegte sich der Frauenanteil bei mageren 10%, ebenfalls erwartungsgemäss waren zur Hälfte junge Leute mit 80er-Jahrgängen da.
Das Konzept des Generations 06, des „Internationalen Jazztreffens Frauenfeld“, wie es im Untertitel heisst, ist so einfach wie einleuchtend: Jeden Morgen und jeden Nachmittag finden zweistündige Workshops statt, jedes Mal findet man sich bei einem neuen Dozenten, jedes Mal steckt man in einer ziemlich neu zusammen gesetzten Band. Kein Zurücklehnen also, kein Sich-Bequem-Machen in eingespielten Verhältnissen, dafür Wettbewerb, durchaus auch ein bisschen Stress, sich beweisen in neuer Konstellation. Jazz eben!
Von den Dozenten andererseits verlangt diese Versuchsanordnung, dass sie ein Programm anbieten, das in zwei Stunden einen Lernerfolg bringt, oder zumindest einen Aha-Effekt samt Anregung, wie zu Hause weiter gearbeitet werden kann. Sie unterzogen sich dieser Aufgabe auf unterschiedliche Arten, auch mit wechselndem Erfolg. Die Amerikaner versuchten JAZZ zu vermitteln, ein Musiziergefühl, weitgehend aus dem Bauch heraus, während die Europäer einen tendenziell intellektuelleren Ansatz wählten. Altsaxophonist Brad Leali ist ein fantastischer Bluesspieler, er liess eintauchen in diese Welt, Schlagzeuger Lewis Nash erzählte von seinen Erfahrungen im Olymp des Jazz, Pianist Cedar Walton setzte sich ans Klavier und liess die Studierenden, sie begleitend, den Reichtum seines Spiels spüren.
Demgegenüber arbeitete der deutsche Tenorsaxophonist Jürgen Seefelder an „Giant Steps“ und anderen Eigernordwänden, dekonstruierte Posaunist Adrian Mears (zählen wir mittlerweile zu den Europäern!) mit seinen Schülern Standards, und vermittelte so spielend Ausbruchsmöglichkeiten aus improvisatorischem Trott, probte Bassist Thomas Stabenow mitgebrachte Arrangements.
Das Generations-Treffen in Frauenfeld verteilt seit der ersten Ausgabe 1998 Förderpreise, der diesjährige Hauptpreis ging an den 27-jährigen deutschen Pianisten Elmar Brass. Er wird Aufnahmen mit der Band seiner Wahl bei Schweizer Radio DRS 2 machen. Die Förderpreisband setzt sich zusammen aus Curtis Taylor, einem 21-jährigen Amerikaner, der aussieht und spielen kann wie Fats Navarro, dem Altsaxophonisten Tobias Meier aus Zürich und dem ausserordentlichen Klarinettisten Simon Wyrsch, ebenfalls aus Zürich. Die Rhythmusgruppe war schweizerisch-österreichisch besetzt, mit dem Pianisten Michael Lagger, dem Bassisten Christoph Utzinger und dem Schlagzeuger David Meier. Trainiert von Adrian Mears, wird diese Band nächstes Jahr eine Tournee durch europäische Jazzclubs machen.
Das, was in Frauenfeld am Tag läuft, ist der eine Teil, mindestens so wichtig aber ist das Nachtleben, das wohl nie im Jahr so lebendig ist, wie während des Jazzfestivals.
In zeitweise bis zu fünf Clubs wurde gejazzt, was das Zeug hält, und zum grossen Teil waren die Läden bis auf den letzten Platz besetzt. Daneben gab es Konzerte in grösserem Rahmen in verschiedenen Sälen. Der Berichterstatter schaffte es bei weitem nicht, alles zu sehen und zu hören.
Den Festivalauftakt machte das „European Jazz Projekt“ in der Aula der Kantonschule. Trotz wunderbarer Musiker geriet dieses Konzert allerdings zu einer Jamsession auf hohem Niveau, es zeigte sich wieder einmal, dass sechs brillante Einzelkämpfer noch lange keine Mannschaft ergeben.
Da waren Sessions, die nichts anderes als das Vergnügen für alle Seiten beabsichtigten, glaubwürdiger. Einen der Höhepunkte bot der Organist Pat Bianchi im „Gleis 4“. Bianchi spielte, zusammen mit seinem Schlagzeuger Pius Baschnagel, einen hochenergetischen Powerjazz, der die Wände der Bar tropfen liess. Als dann aber Derrick Gardener auf der Trompete und Brad Leali am Altsaxophon einstiegen, unterstützt von Lewis Nash am Schlagzeug, hob die Band definitiv ab. Cole Porters „Night & Day“ im Funkgroove heizte die Bar schon tüchtig ein, und nach einem provozierend langsamen „Things Ain’t What They Used To Be“, ich schwöre es, brannte der Laden lichterloh.
Daneben aber präsentierte Frauenfeld auch eine Pianosolo-Reihe, die, weit weg von jedem Höher-Schneller-Lauter, Klaviermusik im intimen Rahmen vorführte. Eines der Highlights hier war der Auftritt der unglaublichen Pianistin Vera Kappeler. Ihr Spiel zu beschreiben, scheint schlicht nicht möglich, immer drängt sich ein „aber“ auf. Ein paar Namen kommen einem in den Sinn, Carla Bley, Thelonious Monk, Erik Satie, aber Kappeler klingt doch immer anders: aufregend, überraschend, schräg und doch wundersam schön, - und vor allem völlig eigenständig. Das weibliche Jazzklavier hierzulande erhält mit ihr nach Irène Schweizer und Sylvie Courvoisier eine dritte hochkarätige Exponentin.
In der Pianobar (stets proppenvoll und dick verraucht) gab sich Grandseigneur Cedar Walton mit seinem Trio die Ehre, im Brauhaus Sternen spielte der Doyen der europäischen Jazztrompete, Ack Van Rooyen, und die Saxophonistin Carolyn Breuer, begleitet von Andy Scherrers Cojazz, in der Eisenbeiz waren verschiedene Klaviertrios zu hören, und im Dreiegg schliesslich bekamen sessionwütige Alt- und Jungjazzer, den Auslauf, den sie tagsüber nicht gehabt hatten.
Den Abschluss des Festivals bestritt der eben siebzig gewordene Komponist, Pianist und Bandleader Joe Haider. Im ehrwürdigen Casino führte er seinen momentanen State of the Art vor, mit dem Brigitte Dietrich-Joe Haider Jazz Orchestra, seinem Doppelquartet und der erweiterten Festival Big Band, die ein Wiederhören mit Charts aus Haiders legendären „Give me a Double“- Album ermöglichten.
Kopf, Herz, Bauch und noch ein paar andere Organe von „Generations“ ist der Frauenfelder Saxophonist Roman Schwaller. Ihm (und natürlich seiner Mann/Frauschaft) ist ein Kränzchen zu winden, Schwaller ist ein Glücksfall für Frauenfeld. Charmant im Ton und beharrlich in der Sache, witzig und selbstironisch, eloquent und elegant ist er der bestmögliche Botschafter seines Festivals, einer, wie ihn sich die Kulturverantwortlichen des Kantons wohl wünschen. Das schlägt sich auf das Budget nieder, sowohl die Stadt Frauenfeld als auch der Kanton und die Kantonalbank stecken namhafte Beträge in den Anlass, über eine Drittelmillion lässt man sich diesen Leuchtturm Thurgauischen Kulturschaffens kosten.
Frauenfeld liegt in der Provinz, doch tief in Mostindien ist mit „Generations“ ein kleines Mekka des Jazz entstanden, das seine Bezeichnung „Internationales Jazztreffen“ einlöst, Internationalität und Provinzialität gehen überraschende Verbindungen ein. In verschiedener Hinsicht übrigens: Frauenfeld ist dort provinziell, wo „weltbeste“ Musiker angekündigt werden, der weltbeste Schlagzeuger mit dem weltbesten Saxophonisten Hochleistungsjazz vorführen. Und es ist dort international, wo Musik einfach passiert, zwischen Leuten verschiedenster Herkunft, ohne grosse Absprachen, und oft auf höchstem Niveau.
Beat Blaser, Redaktor Radio DRS 2 für Jazz'N'More, Zürich
Generations 06. Internationales Jazztreffen Frauenfeld 30.9. - 7.10.2006
Tatort: Südlich vom Bodensee, Frauenfeld, Hauptstadt des Kantons Thurgau. Tatbestand: In der wunderschönen sanfthügelig-frühherbstlichen Schweizer Alpenvorlandschaft findet zum mittlerweile fünften Mal ein kriminell gutes Jazzfestival statt.
Wie kommt es, dass die gerade mal 20.000 Einwohner zählende Metropole von „Most-Indien“ sich für eine Woche in eine Art pulsierendes East-Village verwandeln kann? Viele gute Geister und lässig-professionelle Strippenzieher sind für die Organisation eines der konzeptionell interessantesten kontinentalen Jazzfeste verantwortlich, doch seinen Anfang nimmt die Geschichte des ‚Generations’ sicherlich mit der Person des musikalischen Leiters: Roman Schwaller. Nach 21 Jahren in München und Hamburg und 10 Jahren Vienna Art Orchestra (79-89), zog der Saxofonist 1996 in seine Geburtsstadt Frauenfeld zurück und begann im Januar 97 mit der Organisation des Generations.
Angestiftet durch die gute öffentliche und private Förderung, entwickelte Schwaller ein Festivalkonzept, dass auf einer einmaligen und vitalen Mixtur aus Förderung, Präsentationskonzerten und Clubszene basiert. Das Jazzfest läuft von Samstag bis Samstag genau eine Woche, präsentiert verdiente Altmeister in klassischer Atmosphäre, Youngster und Pro’s in verräucherten Spielorten, die avancierten Spielweisen in konzentrierter Form und die größeren Formationen in großen Sälen. Dabei wird keineswegs Trennkost gehalten, denn vor allem der Austausch der Generationen untereinander macht die einmalige Mischung des Festivals aus. Einige Konzerte werden mehrmals geboten, Variationen und Erweiterungen sind erwünscht und Jam-Sessions sind eh selbstverständlich: wer traditionelle Jazzkultur, präsentiert auf höchstem zeitgemäßen Niveau, erleben will, ist in Frauenfeld exakt richtig.
Schwaller selbst hat größte Ansprüche und klar profilierte Wünsche an das eigene Festival: „Innerhalb dieser Woche soll etwas Lebendiges entstehen, und es soll nichts Museales reproduziert werden.“ Eine Big Band z.B. darf nicht einfach kommen und spielen, sondern es gibt, wie diesmal zur 70-Jahres Feier von Urgestein Joe Haider, Spezialkonzepte, die tagsüber erprobt, und abends in Club und Festsaal präsentiert werden. Starre Reproduktion ist nicht der Sinn des Festivals, und obschon seine Ausrichtung schwerpunktmäßig im Traditionellen liegt, geht es um stetige Erweiterung und Austausch. Daraus erwächst Entwicklung, Response, Profil und Identität – und macht in dieser spezifischen Zutatenmischung das Frauenfelder Festival mittlerweile europaweit unverwechselbar.
Die Intention von Austausch, Anregung und Weitergabe, wird am besten im Förderkonzept deutlich: sieben hochprofilierte Jazzprofis agieren als Masterclass Workshop-Dozenten – dieses Jahr der grandiose Cedar Walton, Lewis Nash, Brad Leali, Derrick Gardner, Adrian Mears, Thomas Stabenow und Jürgen Seefelder – und erarbeiten mit den Youngsters, die noch überwiegend aus dem deutschsprachigem Raum stammen, Material, das gegen Ende der Woche in einem Gesamtkonzert präsentiert wird. Spätestens dann hat die Jury sich schon auf einen Solo-Förderpreisträger und eine Förderpreisband – dieses Jahr Elmar Brass / Piano und die Band der Mears-Klasse - geeinigt. Generations ist das einzige europäische Festival, das Förderpreise vergibt. Die Gewinner erhalten eine DRS-Radioübertragung des Preisträgerkonzertes, eine dreitägige Studioproduktion mit CD und können 2007 unter Mears musikalischer und Schwallers organisatorischer Leitung auf Tour gehen - lassen sich jungen Talenten bessere Impulse unter musiklischen real-life Bedingungen mitgeben als so? Die Intention, durch die sorgfältige Teilnehmer-Auswahl den Standard der Workshop-Aufnahme nochmals zu erhöhen, ging Schwallers Ansicht nach 2006 voll auf: „Wir hatten den besten Jahrgang bis jetzt überhaupt!“.
Live bestätigte sich das eindringlich: junge hoch motivierte und inspirierte Spieler jammten auf absolutem Top-Niveau mit ihren jeweiligen Dozenten im Nachteulen-Club ‚Dreiegg’ bis spät in die Nacht – unter der Woche, wohlgemerkt. Ebenso großartig: seit 2004 gibt es das Swiss Solopiano in der Eisenbeiz, mittlerweile schon eine Art ein Festival im Festival, und vor allem ein meditativer Einstieg auf den jeweiligen Konzertabend. Heuer gab’s George Gruntz, Chris Wiesendanger, Vera Kappeler und Oliver Friedli, die anschließend im jeweiligen Trioformat die musikalischen Facetten erweiterten und dynamisierten.
Spannung galore, vor allem bei Kappeler, die sich zwischen Abstraktion und Simplifizierung als eine der interessantesten jungen Pianistinnen empfiehl: ob Volkslied oder Coleman, das Einfache wurde oft verzinkt und verbogen, das Komplexe zu einem vollen Fluss gebracht. Friedli hingegen beeindruckte in seinem ersten Solokonzert überhaupt mit einer lyrischen Klangfülle und suchte Ausdrucksdialektik in feinsten, aber ungemein kraftvollen Schwingungen. Intim, konzentriert und ebenso locker wie ausgelassen die Triokonzerte, die oft noch mehr begeisterten.
Grandpianomaster Cedar Walton füllte derweil mit seinem beseeltem Spiel die knallvollenge Clubbar: Drumleopard Lewis Nash kratzte ausgeglichen die unglaublichsten Rhythmen zusammen, während Thomas Stabenows smarter Bass gelassen nach Kühlung grub. Ab Mitte der Woche übernahm die Wiener Jazzlegende Fritz Pauer plus Trio den Laden und zeigte mit Standards und Eigenkompositionen den Youngstern, wo der Hunger herkommt und der Hammer hängt.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: in den Clubs ging’s heiter weiter, und so ließen mit Cojazz u.a. der fliegende Flügelhorn-Holländer Ack van Rooyen – saucool und gefühlvoll, so kann man älter werden, Dudes! -, Sax-Hexe Carolyn Breuer und das Schweizer Sax’n Piano-As Andy Scherrer die Funken sprühen. Als sich auch noch Scatter-Oldie Willi Johanns und Tausendsassa Adrian Mears mit dampfender Posaune dazugesellten, rauchte das Podium in der urig-rustikalen Sternen-Brauerei. Laut, treibend, wild, heftig – das ist Clubjazz, wie er sein soll. Sternstunde!
Das Hauptkonzert dann im Eisenwerk: die von Mears geleitete Förderpreisband, sehr smart, smooth und energiebepackt, unterstrich nochmals ihre außerordentliche Klasse. Die von Schwaller und Mastern aufgeführten drei Teile seiner Thurgovian Suite sehr bewegt und klassisch, voller Komplexität, Rhythmus und Tiefe. Mears und Gardners Tonlagen glänzten, und Mario Gonzis geniale Drums pushten die ausgezeichneten und sehr auf den Punkt geschriebenen vorwärts drängenden Arrangements.
Das Cedar Walton Trio plus Brad Leali und Jürgen Seefelder geriet erneut zur klaren Sternstunde: the rubber man, holy land, hand in glove – absolut erinnerungswürdig. Zum Nachtisch dann alle Dozenten auf der Bühne, und vor allem bei Gardners appointment in ghana gerieten die Masters zu Meteoriten, die um das fixe Piano des Planeten Walton kreisten. Ob Leali in Tranes jungen Spuren, Nash’ waghalsige Rhythmik oder die Prägnanz des 72jährigen Weltklassepianisten - gerade in dieser Schlussnummer zeigte sich, wie viel unglaubliche Energie klassisch gespielter Jazz ausstrahlen kann, wenn er richtig gut rübergebracht wird.
Im Gleis 4 dann chillte, killte und grillte Pat Bianchi die unermüdlichen Nighthawks. Der juvenile Orgelprofessor aus Denver zog im kongenialen Duo mit Pius Bachnagels Drums alle Register und kniete sich tief in seine Hammond B-3, während der Schweizer opulent und punktgenau diverse Nägel in die Felle drosch. Weniger der ästhetische Gesamtaspekt interessierte hier als vielmehr: move your butts! Grundgute Jazzgrooves erzeugten Pfiffe, Beckenschwinger und allgemeine Publikumseuphorie. Am Abend zuvor hatten selbst Leali und Gardner angesichts dieser coolen Energie ohne viel Federlesen mit ihren Hörnern die Bühne gestürmt und zum Jam geblasen.
Der Samstag stand ganz im Zeichen einer fabelhaften und absolut zeitgemäßen Big-Band-Night zu Ehren des großen Joe Haider, dessen musikalische Gäste wie das Münchener Modern String Quartet, die großartigen modernen Arrangements seiner Lebensgefährtin Brigitte Dietrich und nicht zuletzt der lakonische Humor des Grandseigneurs selbst dem Publikum einen sagenhaften Auftritt bescherten. Die International Youth Band schließlich präsentierte das hohe Niveau der nächsten und jüngsten Generation pur – vor allem Axel Schlossers Trompete ließ erneut aufhorchen.
200 000 Einwohner hat der Kanton Thurgau: wie kann man nicht zuletzt der alten Rampensau Zürich ein wenig Publikum abziehen? Wie die Region für Hardbop und Modern Straight Ahead Jazz – Schwallers erklärter protegierter Stil – entflammen? Es geht. Mittlerweile ist das Festival eine bekannte Größe und wird auch wegen seines zwei Jahres-Turnus heiß erwartet. Warum dieser Zeitabstand? Einmal zur besseren Nachlese, und man möchte das Publikum im Thurgau auch nicht überfordern, es eher ein bisschen austrocknen und dann wieder jazzdurstig machen, so Schwaller. Clever. Zudem er logisch noch das betreiben möchte, was ihm am Herzen liegt: komponieren und selbst spielen. Frauenfeld ist eine lebendige und anspruchsvolle Feier des klassischen Jazz, doch Erweiterungen im Rahmen des Konzeptes sind gerne gesehen.
Das Programm ist nicht vorrangig auf Spektakuläres angelegt, sondern auf Vitalität, Nachhaltigkeit und stetes Wachstum. Der Etat erlaubt Generations durchaus, die Stars zu holen, aber das ist gar nicht gewünscht, denn: „In diesem Falle können wir die Masterclasses vergessen. Der Unterricht hört ja nicht auf, wenn der letzte Ton verklungen ist. Und wir wollen eben nicht just another festival sein. Obwohl Top-Leute da sind, sind Namen eher zweitrangig. Aber die Leute wissen, dass es zu spannenden Konstellationen kommt.“ Und exakt das ist es.
Marcus Maida für Jazzthetik, Deutschland
Gutes Echo auf «Generations»
Das organisierende Komitee des Internationalen Jazztreffens «Generations» hat ein erstes Fazit gezogen.
Frauenfeld - «Glückliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Masterclass Workshops, lobende Stimmen zu den Konzerten und Clubs, nochmals gesteigerte Publikumszahlen, ein Medienecho wie noch nie, begeisterte und begeisternde Musiker - und eine dem Budget entsprechende Abrechnung.» Das schreibt Steff Rohrbach, Beauftragter der Thurgauer Kulturstiftung.
Noch liege keine definitive Bilanz vor. Medienberichte in deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachzeitschriften und die endgültige Rechnung würden noch folgen. Das Festival werde im kommenden Jahr durch einen CD-Sampler dokumentiert. Für die «Generations»-Verantwortlichen sei mit dem fünften Jazztreffen ein noch höheres Niveau erreicht worden, 2006 dürfe als «das bisher beste und persönlichste» gelten, wie die zahlreichen Echos aus dem In- und Ausland belegten.
Im Zentrum des Festivals standen wie gewohnt die internationalen Masterclass Workshops. «Der hochkarätige Lehrkörper, die kohärente Auswahl der Teilnehmenden und das durchwegs hohe Niveau» hätten zu Ergebnissen geführt, «die die schon bisher festgestellte Nachhaltigkeit des Jazztreffens bestätigen» dürften. Die internationale Zusammensetzung nicht nur der Dozenten, sondern auch der Schülerschaft habe zu «tiefen und bereichernden musikalischen Erfahrungen, wertvollem Austausch und für die Zukunft nicht unwesentlichen Kontakten» geführt. Die erstmalige Teilnahme von amerikanischen Studenten erwies sich als sinnvolle Horizonterweiterung für alle, die in den fünftägigen Workshop involviert waren.
Das erstmals durchgeführte Opening, eine Co-Produktion mit Schweizer Radio DRS 2, Bayerischem Rundfunk und ORF, habe die Bedeutung unterstrichen, die das Frauenfelder Festival nunmehr auch im Ausland gewonnen habe.
Die Region profitiert
Das Festivalbudget von rund 350 000 Franken werde eingehalten, heisst es. Nur rund 1 Prozent des Festivalbudgets stamme aus Steuermitteln. Ein Mehrfaches davon erhalte der Staat an Quellensteuern zurück, und allein in die Hotellerie und Gastronomie seien mehrere 10 000 Franken geflossen.
Die Präsenz von weit über 100 Musikern habe Frauenfeld während einer Woche spürbar belebt und zu einer ausgezeichneten und unvergleichlichen Atmosphäre geführt. Jürgen Schwab zog für das Feuilleton der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» dieses Fazit: «In der europäischen Festivallandschaft setzt das internationale Jazztrefffen Frauenfeld als Geheimtipp für die Freunde des <Modern-Straight-Ahead-Jazz> einen eigenen Akzent.» (tz.)
generations Team, Thurgauer Zeitung, 9. November 2006
